Die Ringelgans - eine Erfolgsstory

Ringelgänse brüten an eisigen Küsten in der sibirischen Arktis. Nach einem kurzen Sommer ziehen sie im Oktober im Familienverband ins Wattenmeer. Bis Ende November fressen sie dort Seegras, das im Gezeitenbereich des Wattenmeeres wächst. Ringelgänse sind Vegetarier. Da Pflanzen eine relativ energiearme Nahrung sind, müssen die Gänse viel und lange fressen. Im November werden die Tage für sie dann aber so kurz, dass die tagaktiven Tiere nicht mehr genug Nahrung aufnehmen können. Sie fliegen dann weiter in die Niederlande, nach Großbritannien und Frankreich.

Im März kehren die Tiere ins schleswig-holsteinische Wattenmeer zurück. Bis zu ihrem Abflug Mitte Mai müssen sie ihr Körpergewicht um 20 Prozent erhöhen. Mit diesen Fettreserven und einem Zwischenstopp schaffen sie den Flug zur 4.000 Kilometer entfernten Halbinsel Taimyr in Nordsibirien und können in der teilweise noch schneebedeckten Tundra erfolgreich brüten.

Um genug Gewicht zuzulegen, müssen die Gänse vor dem Abflug vor allem eines: fressen, fressen, fressen. Dafür bieten die Halligen mitten im Nationalpark Wattenmeer ideale Bedingungen, denn die Tiere können dort auf nährstoffreichen Weiden ungestört äsen. In den letzten Jahren sind die Tiere sehr vertraut geworden, so dass man sich den Trupps heute manchmal bis auf 20 Meter nähern kann. Mit etwas Übung kann man dann erkennen, ob die Vögel gut im Futter stehen und einen regelrechten Bauch haben.

In den 50er Jahren standen Ringelgänse vor dem Aussterben. Weltweit gab es damals weniger als 15.000 Tiere. Durch das Verbot der Jagd und andere internationale Schutzbemühungen gelang es, den Bestand zu retten. Heute gibt es wieder 200.000 Ringelgänse - und damit eine gesicherte Bestandsgröße. Damit ist die Geschichte der Ringelgans eine der Erfolgsstories des Naturschutzes.